Sehr geehrter Herr Oesterling,
ihr Kommentar vom Samstag hatte, bezogen auf mich, den Tenor: „Wes’ Brot ich ess, des’ Lied ich sing“.
Über diese Denkweise bin ich sehr erschüttert, gehen Sie doch mit einer solchen Formulierung davon aus, dass jede geschäftliche Beziehung zu einer Verpflichtung gegenüber dem Auftraggeber führt. Warum erwarten Sie von mir ein solches Verhalten? Dies finde ich sehr befremdlich.
Vielleicht liegt es daran, dass Sie der Meinung sind, ich hätte etwas gegen die Werbegemeinschaft Schwelm. Hier hätte Ihnen eine Recherche der tatsächlichen Umstände weitergeholfen. Was Sie offensichtlich nicht wissen, ich bin langjähriges Mitgliedes der WGS und diese Mitgliedschaft soll weiterhin andauern, da ich die Arbeit der WGS für notwendig erachte.
Hinzu kommt, dass eine jede Geschäftsbeziehung auf Leistung und Gegenleistung beruht. In meinem Fall bedeutete dies in der Vergangenheit immer Honorar für Leistung.
Wieso gehen Sie davon aus, dass ich mein politisches Mandat zu Gunsten eines Kunden missbrauchen sollte, oder ihn anders behandeln sollte als andere? Sich zu einer Sache zu bekennen und sie zu unterstützen, das geht auch dann, wenn nicht gleichzeitig der politische Einfluss geltend gemacht wird.
In der Entwicklung unserer Stadt wird es in Zukunft leider auch immer um die Finanzen gehen. Dabei wird es notwendig sein abzuwägen. Wenn es einen Kuchen zu verteilen gibt, kann es nicht mehr Stücke geben als der Kuchen groß ist und vielleicht verzichtet man deshalb auf das eigene Stück zugunsten anderer.
Wir hatten den Bürgermeister gebeten, die WGS zu bitten, auf die Zuwendung zu verzichten, damit die Mittel ggf. eingespart oder gebündelt und dann zielgerichtet eingesetzt werden können. Hier braucht man nur unserer Diskussion zu folgen, die auch bei allen anderen Empfängern von Zuwendungen einen Verwendungsnachweis wünscht.
Die Arbeit der WGS ist für Schwelm wichtig und es gilt sie weiterhin zu unterstützen. Dazu würde ich mir von Ihnen zwei Aufrufe oder Kommentare anderer Art in Ihrer Zeitung wünschen.
- 1. Werben Sie bei den Geschäften und Unternehmen, die noch nicht Mitglied in der WGS sind, um deren Beitritt, damit die WGS gestärkt wird. So wird der Mitnahmeeffekt bei guten Aktionen eingeschränkt.
- 2. Empfehlen Sie den Bürgerinnen und Bürgern Schwelm für ihren Einkauf, besonders jetzt zur Weihnachtszeit.
Meine Familie und ich haben im letzten Jahr alle unsere Geschenke in Schwelm gekauft und werden es auch in diesem Jahr tun.
Im Übrigen muss ich nicht erst das Amt des Bürgermeisters anstreben, um zu wissen, wo Grenzen zu ziehen sind. So gehe ich davon aus, dass der Bürger gerade in einer kleinen Stadt eine saubere Abgrenzung in allen Fragen erwartet. Die Sache muss gut sein, nicht die persönliche Verbindung. Die persönliche Verbindung kann höchstens helfen, Hürden in der Zusammenarbeit zu überwinden.
Ich bitte Sie um Veröffentlichung meiner Darstellung
Mit freundlichen Grüßen
Jochen Stobbe