
Eindrucksvoller Einblick in jüdisches Leben in Schwelm – Veranstaltung der AG 60 plus der Schwelmer SPD war gut besucht
Mit großem Interesse und reger Beteiligung fand eine Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft 60 plus der Schwelmer SPD statt, bei der Marc Albano-Müller eindrucksvoll das jüdische Leben in Schwelm bis in die Zeit des Nationalsozialismus beleuchtete.
Das jüdische Leben in Schwelm begann zu Beginn des 17. Jhd. Der älteste Grabstein auf dem jüdischen Friedhof in der Delle aus dem Jahr 1713 sowie die Einweihung der Synagoge am 6. August 1819 zeugen von einer langen und lebendigen Geschichte. Bis ins 19. Jahrhundert hinein waren viele jüdische Bürgerinnen und Bürger in Schwelm als Metzger und Viehhändler tätig.
Anschaulich schilderte Albano-Müller auch die zunehmende Ausgrenzung und Verfolgung während der Zeit des Nationalsozialismus. Bereits ab 1930 nahm die antisemitische Hetze deutlich zu, unterstützt unter anderem durch Teile des gewerbetreibenden Mittelstands und verbreitet über die damalige „Schwelmer Zeitung“. Am 1. April 1933 wurden auch in Schwelm jüdische Geschäfte durch SA-Posten boykottiert. Anfang 1939 existierte kein jüdisches Geschäft mehr in der Stadt.
Ein besonders bewegender Teil des Vortrags widmete sich den Deportationen ab 1942. Zu diesem Zeitpunkt lebten noch sieben jüdische Familien im sogenannten „Judenhaus“ in der Bahnhofstraße. Bis Ende 1942 war jüdisches Leben in Schwelm vollständig ausgelöscht.
Durch die akribische Recherche von Marc Albano – Müller – auch durch seine engen Kontakte zu Nachfahren - wurden die Lebenswege vieler jüdischer Schwelmer, deutlich und nachvollziehbar.
Die Veranstaltung machte deutlich, dass jüdische Bürgerinnen und Bürger über lange Zeit selbstverständlicher Teil der Stadtgesellschaft waren – als Nachbarn, als geschätzte Geschäftsleute und als Mitbürger. Umso eindringlicher wurde die Zerstörung dieses Zusammenlebens durch Hass und Ausgrenzung dargestellt.
Mit Blick auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen wurde auch die Bedeutung des Erinnerns und der Wachsamkeit betont. Historische Erfahrungen mahnen, gesellschaftliche Spaltungstendenzen frühzeitig zu erkennen und ihnen entgegenzutreten.
Ein besonderer Dank gilt Marc Albano-Müller für seinen engagierten und detailreichen Vortrag. Mit großer Sorgfalt und Akribie rekonstruiert er Lebensgeschichten ehemaliger jüdischer Mitbürger und hält deren Erinnerung lebendig – eine Arbeit, die höchste Anerkennung verdient.