Der Rat der Stadt Schwelm stimmte in seiner letzten Sitzung am 18.03. einstimmig für den Start der ersten offenen Ganztagsgrundschule. Die Grundschule Engelbertstraße soll mit Beginn des Schuljahres 2004/05 als offene Ganztagsgrundschule geführt und entsprechend umgewandelt werden.
In der Debatte erläuterte der Sprecher BfS die unterschiedlichen Haltungen in seiner Fraktion. Der Vertreter der FDP machte deutlich, dass er sich mit der Frage offene Ganztagsgrunschule und Hort bisher nicht intensiv beschäftigt hatte.
Aus dem Beitrag des SPD-Fraktion:
Wir bringen mit diesem Beschluss heute formal die erste offene Ganztagsgrundschule für das Schuljahr 2004/05 auf den Weg. Die erste und in diesem Jahr einzige.
Nach dem einleitenden Antrag der SPD-Fraktion vom 10. Februar 2003 haben wir uns mit dem Beginn mehr Zeit genommen als andere. Damit spielen wir Schwelmer im EN-Kreis keine Vorreiterrolle. Andere Städte haben schon im letzten Schuljahr begonnen bzw. werden zu Beginn des kommenden Schuljahres mehrere Schulen als offene Ganztagsgrundschulen führen.
Dafür wurde dieser Beschluss bis heute von einem breiten Konsens getragen. Allerdings nicht von allen. In den bisherigen gemeinsamen Sitzungen von SchulA und JHA stimmten Bündnis 90/Die Grünen, CDU, SPD und SWG für die Einrichtung einer oGGS, die BfS dagegen.
Ich halte das nicht für tragisch: besser eine bewusste Mehrheitsentscheidung als eine undurchdachte Einstimmigkeit. Und diese Mehrheit ist eine breite. Ich hoffe, sie bleibt es auch auf dem weiteren Weg.
Auf der letzten gemeinsamen Sitzung von SchulA und JHA wurde von zwei Mitgliedern kritisch angemerkt, bei der konzipierten offenen Ganztagsgrundschule bestünde die Gefahr, dass diese Schule nur Betreuung bringe, aber keine Förderung.
Ich höre da sehr aufmerksam zu, schon deswegen, weil ich vor einigen Monaten den gleichen Standpunkt eingenommen hatte.
Ich habe meine Haltung geändert, nachdem ich mit einigen Leiterinnen und Leitern von Grundschulen gesprochen habe. Selbst wenn es nur Betreuung wäre, so sagen sie mir, sei es positiv zu bewerten. Denn es gibt keine Alternative.
Ich habe noch die Aussage einer Schulleiterin im Ohr: „Wenn ich morgens um 7.30h komme, stehen da schon Kinder, sommers wie winters. Und wenn ich um 13.30 gehe, sind da Kinder, die mir sagen, dass sie von ihren Eltern um 15h abgeholt werden.“ Das ist die reale Situation, vor die sich unsere Grundschulen zunehmend gestellt sehen. Realität glücklicherweise nicht für alle, doch für immer mehr.
Das bedeutet, angesichts der realen Entwicklung ist die offene Ganztagsgrundschule mehr als notwendig.
Unser Ziel muss allerdings sein, über eine Betreuung hinauszugehen. Und da müssen wir alle Kräfte bündeln und Anstrengungen unternehmen, um nicht nur zu betreuen, sondern, ich darf hier Makarenko zitieren, um zu fördern und zu fordern.
In den letzten Monaten habe ich aufmerksam verfolgt, wie sich in anderen Städten die offenen Ganztagsgrundschulen entwickeln.
Ich habe daher keine Zweifel, dass die offene Ganztagsgrundschule in Schwelm nicht nur angenommen werden wird, sondern auch die Schülerströme beeinflussen wird. Eltern werden – über die Schulbezirksgrenzen hinweg – gezielt Plätze in einer offenen Ganztagsgrundschule suchen.
Wir müssen die Entwicklung sehr aufmerksam verfolgen, gerade im Bewusstsein, dass die finanziellen Förderungen von außen im Jahre 2007 enden werden.
Das, was wir wollen, wenn wir es gemeinsam wollen, müssen wir bis dahin auf den Weg gebracht haben. Dass die Schwelmer SPD bereit ist, diesen Weg mitzugehen, versteht sich von selbst.