„CDU und FDP gehen Koalition’ ein“(Wap vom 18.09.04). Bedeutungsschwer sagte mir das der Kandidat einer anderen politischen Gruppierung in der Fußgängerzone. „Haben Sie denn nicht die Zeitung gelesen?“ Hatte ich, aber nur die, die mir morgens zugestellt wird.
Ich habe es nachgeholt. Da fand ich wieder das tolle Wort, das ich schon vor Monaten gelesen hatte: „Strategische Allianz“. Damals war ich der Meinung, dass der Bürgermeister inhaltlich das Gleiche meinte, als er in einer Ratssitzung einfach sagte: „Herr Schwunk ist ein Trittbrettfahrer“.
Die erste Formulierung klingt aber beeindruckend, so langfristig, die zweite nur eindeutig. Sie bezeugte wieder einmal den kreativen Umgang mit Sprache. Ich hatte das schon bewundert, als die FDP monatelang auf ihrer Seite grüne „Abbiegerfeile“ zur Beschleunigung des Verkehrs forderte. Manche sprachen von der neuen Rechtschreibung, ich sah bei ihnen den Wunsch, der Verbundenheit mit dem Handwerk Ausdruck zu geben.
Allerdings verstehe ich nicht, warum diese Allianz jetzt so aufgeblasen wird, denn schon im letzten Rat gab es doch eine solche Verbindung. Nach Konstituierung des Rates im Herbst 1999 hatte die CDU-Fraktion einen ihr zustehenden Sitz im Hauptausschuss abgegeben, alternierend an SWG und FDP. Dass einer der drei Partner dann verloren ging ist eine andere Geschichte.
Daher kann ich mir auch nicht vorstellen, dass die anderen Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters nun zu zittern beginnen könnten.
Schade, wenn hinter dem Ganzen der Verlust an Gedächtnis stünde!
In diesen Wochen fällt mir auf, dass kaum auf die vier zurückgelegten Jahre gesehen wird. Eine Gruppierung, die im letzten Rat saß, gibt sich wie jemand, der völlig neu auf der politischen Bühne auftaucht. Da fabuliert einer in seiner Hochglanzbroschüre, die „etablierten Parteien“ sollten eine Pause einlegen. Seine Gruppe verschaffte in der Ratsperiode vor 1999 dem damaligen Bürgermeister Döring wie in der jetzigen dem gegenwärtigen Bürgermeister Steinrücke eine Mehrheit für die Verabschiedung des Etats der Stadt. So neu, so frisch und unverbraucht kann sie also nicht sein.
Wer sich nicht erinnert, muss alte Fehler wiederholen. Darauf möchte ich doch gern verzichten.
gerd philipp